„Es kommt viel Zeit auf uns zu“ – mit Corona zum Neustart.

Vor zwei Wochenenden, dem ersten, an dem Corona die Herrschaft über unseren Alltag übernommen hatte, sagte meine Frau einen dieser Sätze, über die man erst stolpert und dann nicht vergisst: „Es kommt viel Zeit auf uns zu“. Das waren beiläufig gesagte Worte, spontan und unbedarft gesprochen. Fast wären sie vorbeigezogen. Aber dann wurden sie so wahr und sicher, sie kann sie nur in der Zukunft gefunden haben. Warum die Zeit nach Corona gut werden wird.

„Es kommt viel Zeit auf uns zu“.

Als sie das über Corona sagte, beim Küchengespräch mit Blick aus dem Fenster, da zogen diese liebenswürdigen Worte so zufällig und nebensächlich an mir vorbei, wie irgendwelche Passanten samstags auf dem Mehringdamm. Auch sie haben alle Gesichter. Aber welche? Die meisten sind vergessen, bevor ich sie hätte sehen können.

Auch der Satz meiner Frau war ein unbekannter Parvenu. Aber er hatte ein Gesicht aus 7 Worten, das zu mir sprach. Sie rufen in einem Reflex, in einem winzigen Moment an der Garderobe, in der letzten möglichen Millisekunde vor dem Vergessen, zum Hinsehen, unbedingt. Moment einmal… was hast du da gesagt?

„Es kommt viel Zeit auf uns zu.“

Der zufällige Satz bleibt stehen, wendet sich zu und schaut einen an. Sein Blick ist so offen und tief, dass er verbindet. Womit? Der Satz stimmt einfach. Er ist so wahr, wie etwas nur wahr sein kann. Vertrautheit stellt sich ein, die noch heimatlos ist. Kennen wir uns? Woher? Ich bin die Gewissheit, ich bin dein Morgen. Wir haben uns schon immer gekannt, wir wussten es nur nicht.

„Es kommt viel Zeit auf uns zu“ – kann man es treffender beschreiben, was die erleben, die jetzt, zum Glück, nicht krank sind? 
Zeit existiert physikalisch gar nicht. Sie ist ein pures Konstrukt, sie ist das reine Vergehen. Sie ist Leere, die von uns gefüllt sein will. Und nun kommt auch noch VIEL Zeit auf uns zu. Womit füllen, wenn es unter Kontaktsperre und Kurzarbeit andere als die gewohnten Dinge und Rituale sein müssen? Kein Shoppen, keine Arbeit, keine Zerstreuung in virtuellen und realen Gruppen Gleichgesinnter. Was tun?

„Was stelle ich jetzt mit meiner Zeit an?“

Diese Frage ist für alle und jeden eine persönliche Herausforderung. Eine Antwort zu finden, die nicht leer ist, ist nicht leicht. Mit jedem weiteren Tag eine weitere Antwort zu finden, gewiss nicht leichter. Aber, ganz ehrlich, ist es so schwer? Wirklich keine Idee? Vielleicht mal spazieren gehen?

Wie auch immer die Antworten aussehen – es ist sicher, dass jeder seine eigenen und sehr persönlichen Antworten in diesen Tagen finden wird. Es ist auch sicher, dass unter diesen Antworten viele sein werden, die nicht leer sind. Die Antworten haben einen Inhalt und sie werden viel Zeit füllen. Mit neuen Fragen und Erkenntnissen, die wichtig sind. Mit Taten und Ideen, die erfüllen – erstmals vielleicht.

Vor uns stehen sehr offene, sehr umwälzende und tiefgehende Tage. Sie schaffen für alle, die nicht vom Virus angegriffen werden, Möglichkeiten, die viele nutzen werden.

Freuen wir uns auf den Fortschritt, den wir noch nicht kennen. Wie er aussehen kann, zeigt der folgende Text von Matthias Horx.

System reset.
Cool down!
Musik auf den Balkonen!

So geht Zukunft.

 

 

 

 

 

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